Wenn eine Frau sich mit den Zeugen Jehovas einlässt, könnte sich ihre „Karriere“ folgendermaßen entwickeln:

Meist fängt es damit an, dass Angehörige und Freunde eine unerklärliche Persönlichkeitsveränderung und Entfremdung an dieser Frau bemerken. Sie wirkt zunehmend kalt, überheblich, humorlos. Es ist, als würde sich eine „gläserne Wand“ sich zwischen ihr und ihrer Umgebung aufbauen. Ihre Lebensgewohnheiten verändern sich, ihre Bücher verschwinden, und sie wird praktisch nur noch Wachtturmliteratur und die Bibel lesen.

Die Kontakte zur Familie und Freunden werden zunehmend eingeschränkt. Es wird bald keine gemeinsamen Familienfeiern mehr geben, keine Geburtstage, kein Weihnachten, kein Ostern. Hat sie einen Partner oder Ehemann, der nicht an den ZJ interessiert ist, sind Konflikte vorprogrammiert. Er wird zum Behinderer für das religiöse Leben der Frau. Denn alles muss sich jetzt dem Dienst für Jehova unterordnen. Die Frau hat immer weniger Zeit. ZJ sind regelmäßig bei ihr zu Besuch. Sie ist viel unterwegs, verschweigt oft, wo sie war und was sie genau tat.

Sie nimmt nun drei Mal in der Woche an den Zusammenkünften der ZJ teil, oft bis spät in den Abend, absolviert wöchentlich ein Heimbibelstudium im privaten Kreis, liest regelmäßig die Wachtturm-Literatur, um auf die Versammlung vorbereitet zu sein, geht von Haus zu Haus oder steht mit den Heftchen in der Hand auf der Straße. Als sog. „Interessierte“ werden ihre immer noch vorhandenen Zweifel an der neuen Lehre von den altgedienten Mitgliedern als Anfangsschwierig-keiten voll verstanden und liebevoll und biblisch zerstreut. Als Interessierte hat sie viel Zuwendung, Verständnis und Liebe (love bombing), ihre anfänglichen Zweifel und ihre Wachsamkeit erlahmen. Die häuslichen Pflichten, den Beruf – alles wird sie mehr und mehr vernachlässigen. Erhebt der Partner Einwände, wird er zum Gegner und Feind Jehovas. Die Frau dagegen genießt das volle Mitgefühl ihrer neuen Schwestern und Brüder.

Lässt sich die Frau schließlich als Zeugin Jehovas taufen, hat sie sich damit völlig dem neuen Glauben und dem System untergeordnet und damit auch ihre persönliche Freiheit aufgegeben.

Und in diese Situation muss man sich jetzt noch Kinder hineindenken.

Der Vater möchte, dass seine Kinder in Freiheit und gewaltfrei zu Offenheit und Toleranz (auch religiöser), unter Förderung ihrer Talente und Fähigkeiten erzogen werden.

Die Mutter dagegen, die zwar vor ihrer Sektenkarriere vielleicht einmal die gleichen Ideale hatte, steht nun voll unter dem Einfluss der neuen „Familie“, die für alles feste Regeln und Lebensrichtlinien festgelegt hat und diese so überzeugend und logisch mit ausgewählten Bibelzitaten belegt, dass sie immer mehr das Vertrauen in das eigene Denken, das eigene Moralsystem, die eigene Wahrnehmung und Kritikfähigkeit verliert.

Die Folgen für die Kinder können gravierend sein: Sie werden, oft gegen den Willen des Vaters, ganz in die neuen Aktivitäten und Pflichten ihrer Mutter mit einbezogen. Ihr Lesestoff besteht nun hauptsächlich aus wachtturmgerecht präparierten biblischen Geschichten, die es auch für die kleineren Kinder, die noch nicht lesen können, als Cassetten gibt.

Sie dürfen von nun an keinen Geburtstag, kein Weihnachten, kein Ostern, keinen Muttertag mehr feiern; Weihnachtsbasteln, Weihnachtslieder singen oder Ostereier anmalen ist nicht mehr erlaubt. Schule wird zur Nebensache, Zeit für Sport, Hobbies oder gar Muße bleibt kaum noch. Spontaneität, Kreativität verkümmern, Freundschaften mit Kindern, die keine ZJ sind, sollen vermieden werden.

Die Mutter, selbst unter Druck, das vorgeschriebene Pensum zu erfüllen, muss nun auch noch die Kinder „zurechtbringen“. Das gelingt oft nur durch die empfohlene „Rute der Zucht“; es darf aber auch ein Gürtel oder ein Kochlöffel sein.

Die neue Religion ist zum Korsett geworden, das mit Pflichten immer mehr zugeschnürt wird. Das Ergebnis sind in den allermeisten Fällen gescheiterte Beziehungen, Ehen, zerbrochene Familien.

Viele ZJ-Kinder haben Depressionen, Ängste, Schuldgefühle. Sie leben gespalten zwischen der verinnerlichten Sektendoktrin, die ihnen die böse „Welt“ in schauerlichen Bildern ausgemalt hat, und ihrer Sehnsucht nach eben dieser von der Sekte so verteufelten, satanischen Welt.

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